Leapmotor will die 12-Volt-Batterie im E-Auto abschaffen
Der chinesische Elektroautohersteller Leapmotor will ein Bauteil loswerden, das seit Jahrzehnten zu jedem Auto gehört: die kleine 12-Volt-Batterie. Ab 2027 sollen deren Aufgaben von der großen Antriebsbatterie übernommen werden. Leapmotor nennt die Technik „CTC 3.0 High-Low Fusion Battery". Das Ziel sind weniger Bauteile, weniger Wartung und vor allem weniger Pannen, denn die 12-Volt-Batterie ist seit Jahren die häufigste Pannenursache, auch bei Elektroautos. Viele technische Details hält der Hersteller allerdings noch zurück. Leapmotor ist Partner von Stellantis und baut sein Geschäft in Europa gerade stark aus.
Warum Elektroautos überhaupt eine 12-Volt-Batterie haben
Auch wenn ein Elektroauto eine große Hochvoltbatterie mit 400 oder 800 Volt an Bord hat, steckt bislang fast immer zusätzlich eine kleine 12-Volt-Batterie im Fahrzeug. Diese Batterie versorgt das sogenannte Bordnetz, also Steuergeräte, Beleuchtung, Türschlösser, Infotainment und Sicherheitssysteme. Außerdem braucht es beim Einschalten des Autos eine Stromquelle, die das Hochvoltsystem überhaupt erst aktiviert. Während der Fahrt wird die kleine Batterie über einen Spannungswandler aus der großen Batterie nachgeladen. Diese Aufteilung stammt noch aus der Verbrennerwelt, in der die 12-Volt-Batterie vor allem den Anlasser versorgt. In Elektroautos hat sich das Prinzip bislang gehalten, obwohl es dort keinen Anlasser mehr gibt.
So soll die neue Technik funktionieren
Bei Leapmotors Ansatz sollen Hoch- und Niedervoltversorgung dieselben Zellen und Module nutzen. Auch das Thermomanagement und die Energieverteilung sollen gemeinsam laufen. Die separate kleine Batterie mit eigenem Gehäuse, eigener Verkabelung und eigenem Einbauplatz entfällt damit. Das Bordnetz bekommt seine Energie direkt aus dem großen Akku. Für die Kundschaft bedeutet das im Idealfall: kein Austausch der 12-Volt-Batterie mehr nach einigen Jahren und keine leere Starterbatterie nach längerer Standzeit. Für den Hersteller sinken die Zahl der Bauteile und der Montageaufwand. Leapmotor baut wichtige Komponenten wie Batterie und Elektronik weitgehend selbst, was eine solche tiefe Integration erleichtert.
Die häufigste Pannenursache
Wie groß das Problem ist, zeigt die ADAC-Pannenstatistik 2026. Im Jahr 2025 war die Starterbatterie für 45,4% aller Pannen verantwortlich, nach 44,9% im Jahr davor. Damit geht fast jede zweite Panne auf dieses Bauteil zurück. Elektroautos sind laut ADAC insgesamt deutlich zuverlässiger als Verbrenner: Bei 2 Jahre alten Fahrzeugen kamen auf 1.000 Elektroautos 2,1 Pannen, bei Verbrennern waren es 5,8. Trotzdem zählt auch bei E-Autos die 12-Volt-Batterie zu den häufigsten Ursachen. Genau hier setzt Leapmotor an.
Viele Fragen noch offen
So vielversprechend der Ansatz klingt, so viele Punkte sind noch offen. Leapmotor nennt bislang weder konkrete Einsparungen bei Gewicht und Kosten noch die Modelle, in denen die Technik zuerst eingesetzt wird. Die wichtigste Frage betrifft die Sicherheit: Unklar ist, wie das Bordnetz versorgt wird, wenn das Hochvoltsystem abgeschaltet ist oder nach einem Unfall gestört ist. In solchen Fällen müssen Warnblinker, Notruf, Türöffnung und andere Sicherheitsfunktionen weiter zuverlässig arbeiten. Bisher übernimmt genau diese Rolle die separate 12-Volt-Batterie als unabhängige Reserve. Wie Leapmotor diese Absicherung ohne eigene Batterie löst, hat der Hersteller noch nicht erklärt.
Einordnung
Die Idee ist schlüssig, denn im Elektroauto ist die kleine Batterie eigentlich ein Relikt aus der Verbrennerzeit. Wenn die Integration gelingt, könnten Kunden künftig von weniger Pannen und geringeren Wartungskosten profitieren. Allerdings handelt es sich bislang um eine Ankündigung ohne belastbare Details. Ob die Technik im Alltag hält, was sie verspricht, wird sich erst zeigen, wenn die ersten Fahrzeuge ab 2027 auf der Straße sind. Entscheidend wird sein, ob Leapmotor das Sicherheitskonzept überzeugend löst und die Zulassungsbehörden die Lösung akzeptieren. Auch andere Hersteller arbeiten daran, das Bordnetz von Elektroautos zu vereinfachen. Leapmotor gehört mit dem angekündigten vollständigen Verzicht aber zu den ersten, die diesen Schritt so konsequent gehen wollen.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden sind Pannen und Wartungskosten ein wichtiges Thema, auch wenn viele Wartungsarbeiten über Serviceverträge abgedeckt sind. Eine entladene 12-Volt-Batterie kostet im Alltag vor allem Zeit und Nerven, besonders bei Dienstwagen, die zuverlässig verfügbar sein müssen. Wer Leapmotor Angebote oder allgemein Leasing Angebote für ein Elektroauto prüft, sollte wissen, dass die neue Technik erst ab 2027 kommen soll und aktuelle Modelle noch mit klassischer 12-Volt-Batterie fahren. Bei längeren Standzeiten kann es sinnvoll sein, auf die Ladezustände und mögliche Softwareupdates zu achten. Bei der Auswahl konkreter Leasing Deals zählen weiterhin vor allem Rate, Reichweite, Service und Restwert. Sollte sich die Technik bewähren, könnte sie Elektroautos im Alltag noch zuverlässiger machen. Das wäre für Leasingkunden und Flottenbetreiber gleichermaßen ein Vorteil.
Quelle: ecomento





