VW: Emden könnte Rüstung bauen
Im Ringen um die Zukunft seiner Werke zeichnen sich für Volkswagen überraschende Rettungsideen ab. Während am Dienstag Tausende Mitarbeiter in Wolfsburg gegen den Sparkurs von Konzernchef Oliver Blume (58) protestierten, wurden Pläne für 2 der 4 bedrohten Standorte bekannt. Nach Informationen der Bild aus Konzernkreisen gibt es für die Werke in Zwickau und Emden plötzlich wieder eine Perspektive. Besonders brisant: Das Werk Emden könnte demnach künftig Rüstungsgüter statt Autos fertigen. Bestätigt hat der Konzern die durchgesickerten Pläne bislang nicht.
Emden: Wende zur Rüstung?
Der auffälligste Vorschlag betrifft das niedersächsische Werk Emden. Dem Bericht zufolge könnte der Standort auf Rüstungsproduktion umgestellt werden – geplant sei die Fertigung von militärischer Ausrüstung wie Drohnen oder schweren Militär-Lastwagen für die Bundeswehr und verbündete Staaten. Angesichts steigender Verteidigungsausgaben gilt dieser Bereich als „Milliarden-Markt". Für ein reines Autowerk wäre ein solcher Schwenk ein bemerkenswerter Bruch mit der bisherigen Ausrichtung. In Emden laufen derzeit die Elektromodelle ID.4 und ID.7 vom Band. Ob und wie eine Umstellung tatsächlich umgesetzt würde, ist offen – es handelt sich zunächst um einen unbestätigten Bericht.
Zwickau: Rückkehr der China-Modelle
Für das sächsische Werk Zwickau setzt der Plan auf eine Rückverlagerung. Modelle, die VW bisher exklusiv in und für den riesigen Markt in China produziert, könnten künftig in Sachsen vom Band laufen – im Gespräch sind der ID.Unyx 08 und der ID.Era 9X. Das würde die dringend benötigte Auslastung bringen, denn die bisherige Beschäftigungsgarantie läuft bald aus. Nötig ist das allemal: Zwickau ist auf bis zu 360.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, produziert aktuell aber nur rund 202.000 – eine Auslastung von etwa 56%. Als weitere Option gilt eine engere Zusammenarbeit mit den chinesischen Partnern SAIC und FAW.
Zwickau kämpft mit Stellenabbau
Wie ernst die Lage in Zwickau ist, zeigen die Beschäftigtenzahlen. Die Belegschaft ist von einst rund 11.000 auf etwa 8.000 Mitarbeiter geschrumpft, und in den kommenden Jahren sollen über 1.000 weitere Stellen wegfallen. Bereits 2027 soll eine der beiden Produktionslinien stillgelegt werden. Als zusätzliches Standbein baut das Werk ein Geschäft mit der Aufbereitung gebrauchter Fahrzeuge auf: Aus derzeit etwa 100 Beschäftigten könnten bis zu 1.000 werden, mit dem Ziel, bis 2030 jährlich rund 15.000 Fahrzeuge aufzubereiten. Die Standortgarantie gilt bislang nur bis Ende 2030.
Hannover und Neckarsulm gehen leer aus
Für die beiden anderen als gefährdet geltenden Werke gibt es dagegen bislang keine vergleichbaren Konzepte. Weder für Hannover noch für Neckarsulm liegen dem Bericht zufolge konkrete Rettungspläne vor. Wegen der hohen Produktionskosten dürfte es für diese Standorte damit eher enger werden. Die ungleiche Verteilung der Perspektiven zeigt, wie selektiv der Konzern derzeit vorgeht – und dürfte die Sorgen an den leer ausgehenden Standorten weiter befeuern.
„Blume hat seine Chance verpasst"
Für Beruhigung sorgten die Nachrichten in der Belegschaft nicht. Blume hatte sich bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg den Beschäftigten gestellt, erntete für seine Rede aber vor allem Kritik. „Sämtliche relevanten Informationen" über die Auswirkungen eines zusätzlichen Jobabbaus fehlten weiterhin, erklärte die Gesamt- und Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Ihr Fazit fiel deutlich aus: „Oliver Blume hat seine Chance also verpasst, zu sagen, was ist." Auf seiner laufenden Betriebsversammlungs-Tour will Blume am Mittwoch die Standorte Zwickau und Emden besuchen.
Bedeutung fürs Leasing
Für Kunden haben die Werksdebatten keine unmittelbaren Folgen; Fahrzeuge, Garantien und Service bleiben davon unberührt. Mittelbar zeigt sich aber, wie tiefgreifend der Umbruch bei Europas größtem Autobauer ist und wie sehr die Auslastung der Werke über künftige Modelle und Preise entscheidet. Für Interessenten bleibt maßgeblich, welche Elektromodelle zu welchen Konditionen angeboten werden. Beim Vergleich verschiedener Volkswagen Angebote lohnt sich der Blick auf Ausstattung, Reichweite und Gesamtkosten. Wer die passenden Leasing Deals sucht, sollte neben der monatlichen Rate auch Laufzeit, Inklusivkilometer und die Verfügbarkeit des gewünschten Modells berücksichtigen. Gerade in Umbruchphasen werben Hersteller häufig mit besonders attraktiven Angeboten.





