Führerscheinreform: Führerschein könnte ab 2027 bis zu 1.000€ günstiger werden

Veröffentlicht am 09.10.2026
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Führerscheinreform: Führerschein könnte ab 2027 bis zu 1.000€ günstiger werden
Symbolbild

Die geplante Reform der Fahrausbildung könnte den Führerschein in Deutschland spürbar günstiger machen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) hat gegenüber der „Welt“ erstmals eine Größenordnung für mögliche Einsparungen genannt: Fahrschüler könnten mehrere Hundert, bestenfalls sogar bis zu 1.000€ sparen. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums kostet ein Pkw-Führerschein der Klasse B derzeit im Schnitt rund 3.400€ (Stand: Oktober 2026). Die neuen Regeln sollen nach Möglichkeit Anfang 2027 in Kraft treten. Noch müssen aber Bundestag und Bundesrat zustimmen. Die 1. Lesung im Bundestag fand am 24. September 2026 statt, seitdem wird der Entwurf in den Ausschüssen beraten.

Wie die Einsparung zustande kommen soll

„Mit mehr digitalem Unterricht und einer Bürokratieentlastung wollen wir die Kosten senken“, sagte Bilger. Eine feste Ersparnis für alle Fahrschüler gibt es allerdings nicht. Der Minister verwies selbst auf große regionale Unterschiede bei den Preisen. Zudem benötigen manche Fahrschüler deutlich mehr Fahrstunden als andere. Wie stark die Kosten am Ende tatsächlich sinken, hängt deshalb auch davon ab, wie die Fahrschulen ihre Preise künftig gestalten. Die Bundesregierung setzt dabei auf mehr Wettbewerb und Transparenz.

Die wichtigsten Punkte der Reform

Der Gesetzentwurf wurde im Mai 2026 vom Bundeskabinett beschlossen, damals noch unter Bilgers Vorgänger Patrick Schnieder (CDU). Laut dem Kabinettsentwurf soll der Theorieunterricht künftig vollständig online möglich sein, etwa über Lern-Apps. Der Präsenzunterricht in der Fahrschule wäre damit nicht mehr Pflicht, und für die Anmeldung zur Theorieprüfung wäre keine Bestätigung der Fahrschule mehr nötig. Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll von 1.169 auf rund 840 Fragen schrumpfen.

Auch in der praktischen Ausbildung sind Änderungen geplant. Die Zahl der vorgeschriebenen Sonderfahrten auf der Autobahn, über Land und bei Nacht soll laut Entwurf von 12 auf 3 sinken. Die praktische Prüfung soll kürzer werden und nur noch 40 statt 55 Minuten dauern, davon 25 statt 30 Minuten Fahrzeit. Fahrschulen sollen weniger dokumentieren müssen und leichter digitale Lernmittel und Simulatoren einsetzen können. Zudem sollen Fahrschulen ihre Preise an eine zentrale Datenbank melden, die von Vergleichsportalen genutzt werden kann. Prüfstellen sollen ihre Bestehensquoten veröffentlichen.

Übungsfahrten mit Angehörigen

Neu ist auch die Möglichkeit, mit Familienangehörigen zu üben. Nach bestandener Theorieprüfung und 6 Fahrstunden in der Fahrschule sollen Fahrschüler laut Entwurf mit einem nahen Angehörigen wie Eltern oder Großeltern fahren dürfen. Die Begleitperson muss den Führerschein seit mindestens 7 Jahren besitzen, das Fahrzeug muss gekennzeichnet sein. Diese sogenannte Laienausbildung sollen die Bundesländer zunächst über einen Zeitraum von 5 Jahren erproben.

Zustimmung und Kritik

Die Reform stößt auf ein geteiltes Echo. Der ADAC begrüßt zentrale Elemente wie den virtuellen Theorieunterricht. Die Kombination aus professionellem Unterricht und begleitetem Üben könne mehr Fahrpraxis zu geringeren Kosten ermöglichen. Der Club verweist auf Länder wie Frankreich, Österreich und die Schweiz, in denen Fahrschüler vor der Prüfung teils bis zu 3.000 km mit Unterstützung der Eltern fahren. Auch der Sozialverband Deutschland unterstützt das Vorhaben. Ein fehlender Führerschein könne später ein echter Wettbewerbsnachteil auf dem Arbeitsmarkt sein.

Die Fahrlehrerverbände sehen die Pläne dagegen kritisch. Bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Bundestags Anfang Oktober warnten sie davor, dass Sicherheitsstandards sinken könnten. Die Verbände wollen, dass ein Teil des Theorieunterrichts weiterhin in Präsenz stattfindet. Zudem halten Kritiker 6 Fahrstunden vor dem Üben mit Angehörigen für zu wenig. Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände lehnt außerdem das geplante Register für Preise und Bestehensquoten ab. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hatte betont, günstigere Führerscheine dürften nicht zulasten der Ausbildungsqualität gehen.

Einordnung

Mit durchschnittlich rund 3.400€ ist der Führerschein für viele junge Menschen eine erhebliche finanzielle Hürde. Die Reform soll diese Hürde senken, ohne die Sicherheit zu gefährden. Ob beides gelingt, ist zwischen Befürwortern und Kritikern umstritten. Die genannten 1.000€ sind ausdrücklich ein Bestfall und keine garantierte Ersparnis. Entscheidend wird sein, in welcher Form Bundestag und Bundesrat das Gesetz verabschieden und wie die Fahrschulen ihre Preise anpassen.

Bedeutung fürs Leasing

Ein günstigerer Führerschein kann den Einstieg in die eigene Mobilität erleichtern. Gerade für junge Fahrer bleibt nach der Prüfung mehr Budget für das erste eigene Auto. Wer nach dem Führerschein Leasing Angebote für einen Kleinwagen vergleicht, sollte allerdings beachten, dass Fahranfänger bei der Kfz-Versicherung meist deutlich höhere Beiträge zahlen. Auch Leasinggesellschaften prüfen die Bonität genau, bei jungen Kunden ohne festes Einkommen kann ein Mitantragsteller nötig sein. Eine Gesamtrechnung aus Leasingrate, Versicherung und laufenden Kosten schafft hier Klarheit.

Quelle: stern

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