BMW verschiebt Agenturmodell auf 2028
BMW nimmt sich beim geplanten Umbau seines Vertriebs deutlich mehr Zeit: Der Start des sogenannten Agenturmodells für die Kernmarke BMW in Deutschland wird auf frühestens 1. Juli 2028 verschoben. Das berichtet das Manager Magazin, die Händler wurden Anfang August 2026 über den neuen Zeitplan informiert. Es ist bereits die mehrfache Verschiebung eines Projekts, das den Autohandel grundlegend verändern würde. Ursprünglich war der Umstieg für 2026 vorgesehen, zwischenzeitlich war von 2027 die Rede. Für Kunden und Händler bleibt damit vorerst alles beim Alten.
Was das Agenturmodell bedeutet
Beim Agenturmodell ändert sich der Autoverkauf von Grund auf. Statt dass Händler die Fahrzeuge selbst einkaufen und auf eigene Rechnung verkaufen, tritt BMW direkt als Verkäufer auf. Die Händler werden zu Vermittlern und Servicepartnern vor Ort, die im Auftrag des Herstellers agieren. Zentraler Punkt sind einheitliche, zentral aus München gesteuerte Festpreise: Das Feilschen um Rabatte würde damit weitgehend entfallen. Der Konzern verspricht sich davon einen einheitlichen Marktauftritt, eine engere Kundenbeziehung und ein nahtloses Zusammenspiel von Online- und Offline-Vertrieb.
Warum die Verschiebung?
Hauptgrund für die Zurückhaltung sind die Erfahrungen mit der Konzernmarke Mini, die bereits seit Oktober 2024 in Deutschland im Agenturmodell verkauft wird. Dort traten technische Schwierigkeiten und Widerstände auf, zudem erwies sich die Umstellung als komplexer als erwartet. Als problematisch gilt etwa die uneinheitliche Bewertung von Gebrauchtwagen bei der Inzahlungnahme, die den Vorteil einheitlicher Preise untergräbt. BMW will diese Lehren zunächst auswerten, bevor die weit größere Hauptmarke folgt. Hinzu kommt der allgemeine wirtschaftliche Druck: Der Konzern hat einen Abbau von rund 8.000 Stellen bis Ende 2027 angekündigt.
Mini als Testfeld
Die kleinere Marke dient dem Konzern als Versuchslabor für den neuen Vertrieb. Bis Ende 2025 hatte Mini in 23 europäischen Märkten auf den Direktvertrieb umgestellt. Die dabei gesammelten Erkenntnisse sollen helfen, den Rollout bei der Marke BMW reibungsloser zu gestalten. Dass ausgerechnet die Erfahrungen mit Mini nun zu einer erneuten Verschiebung führen, zeigt, wie anspruchsvoll der Systemwechsel in der Praxis ist – von der IT über die Lagerhaltung bis zur Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Handel.
Nicht überall Verzögerung
Die Verzögerung betrifft nicht alle Länder gleichermaßen. In Schweden und Polen etwa soll die Umstellung bereits im Sommer 2027 erfolgen. BMW gibt das Projekt trotz der Verschiebung nicht auf: Vertriebsvorstand Jochen Goller hält weiter an dem Modell fest. Der Konzern staffelt den Start lediglich zeitlich und passt ihn an die jeweiligen Marktbedingungen an. In Deutschland, dem größten und besonders wettbewerbsintensiven Heimatmarkt, geht BMW dabei offensichtlich besonders vorsichtig vor.
Die Branche ist gespalten
Wie umstritten das Agenturmodell ist, zeigt der Blick auf die Konkurrenz. Volkswagen etwa beendet sein Agenturmodell für Elektroautos in Deutschland zum 1. Januar 2026 und kehrt zum klassischen Händlervertrieb zurück. Auch Mercedes-Benz hat sein Vorgehen angepasst. Die Hersteller verfolgen damit sehr unterschiedliche Strategien. Befürworter argumentieren, feste Preise verhinderten, dass „der schwächste Händler den niedrigsten Preis bestimmt" und das gesamte Preisniveau nach unten ziehe. Kritiker verweisen auf den Verlust an Flexibilität für Kunden, Verkäufer und Betriebe.
Bedeutung fürs Leasing
Für Interessenten ist vor allem die Frage der Preisgestaltung relevant. Solange das klassische Modell gilt, können Händler weiterhin Rabatte gewähren und individuelle Konditionen aushandeln – ein Spielraum, der sich auch auf Leasingangebote auswirkt. Käme das Agenturmodell mit festen Preisen, könnte dieser Verhandlungsspielraum kleiner werden. Beim Vergleich verschiedener BMW Angebote lohnt sich daher der Blick auf die konkreten Konditionen des jeweiligen Händlers. Wer die passenden Leasing Deals sucht, sollte neben der monatlichen Rate auch Laufzeit, Inklusivkilometer und mögliche Nachlässe berücksichtigen. Bis mindestens Mitte 2028 bleibt in Deutschland jedenfalls Zeit, von den gewohnten Verhandlungsmöglichkeiten zu profitieren.