Tesla Model 3 erhält Inverter-Technik aus dem Cybercab
Tesla überträgt erstmals Technik aus dem Robotaxi Cybercab in ein Serienmodell. Das Model 3 soll noch im Jahr 2026 eine neue Leiterplattenbaugruppe und Leistungsstufe für den Inverter erhalten, die ursprünglich für die Antriebseinheit des Cybercab entwickelt wurden. Bestätigt hat das Nick Verzini, bei Tesla verantwortlich für die Entwicklung der Antriebseinheiten. Die neue Elektronik kommt mit deutlich weniger Bauteilen aus und soll die Produktion vereinfachen. Angaben zu Verbrauch, Reichweite oder Leistung hat Tesla bislang nicht gemacht.
Was sich beim Model 3 ändert
Laut einem Bericht von Drive Tesla Canada äußerte sich Verzini bei einem Werksbesuch des Ingenieurbüros Munro & Associates, das die Aufnahmen auf seinem Kanal Munro Live veröffentlichte. Übernommen werden demnach die Platine und die Leistungsstufe des neuen Inverters, nicht der komplette Antrieb des Cybercab. Das Model 3 behält seine bestehende Antriebsarchitektur, die Schnittstellen der neuen Elektronik wurden bewusst kompatibel gehalten. Gegenüber dem bisherigen Inverter des Model 3 sinkt die Zahl der elektronischen Komponenten deutlich. Zudem ist das Design so ausgelegt, dass Bauteile von mehreren Zulieferern verwendet werden können. Das soll die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern verringern.
Welche Aufgabe der Inverter hat
Der Inverter, auch Wechselrichter genannt, wandelt den Gleichstrom aus der Batterie in Wechselstrom für den Elektromotor um. Er steuert dabei Drehmoment und Drehzahl und spielt auch bei der Rekuperation eine wichtige Rolle, wenn beim Bremsen Energie zurück in die Batterie fließt. Wie effizient er arbeitet, beeinflusst Verbrauch und Wärmeentwicklung. Weniger Bauteile können zudem die Fertigung vereinfachen, Kosten senken und mögliche Fehlerquellen reduzieren. Ob die neue Technik beim Model 3 auch zu einer messbar höheren Effizienz führt, ist allerdings offen.
Auch für das Model Y geeignet
Technisch würde die neue Inverter-Baugruppe auch in die Antriebseinheit des Model Y passen. Auf die Frage, ob sie dort einfach eingesetzt werden könne, bestätigte Verzini, dass die komplette Schnittstelle beibehalten wurde. Eine Umstellung der Produktion beim Model Y hat Tesla jedoch nicht angekündigt. Ebenso wenig bedeutet die Kompatibilität, dass bereits ausgelieferte Fahrzeuge nachgerüstet werden. Offen ist außerdem, in welchen Werken die neue Elektronik zuerst verbaut wird. Das Model 3 für den deutschen Markt wird in Shanghai gebaut, das Model Y unter anderem in Grünheide.
Weitere Neuerungen im Cybercab-Antrieb
Der Antrieb des Cybercab enthält weitere Änderungen, die bislang nicht für andere Modelle bestätigt sind. Der Elektromotor sitzt vorn und arbeitet mit einer Übersetzung von 11:1, während viele andere Tesla-Antriebe bei etwa 9:1 liegen. Die Kühlkanäle des Motors wurden in ein günstigeres Aluminiumgehäuse verlegt, die elektrische Ölpumpe wurde durch eine mechanische Lösung ersetzt. Laut Electric Motor Engineering leistet der Permanentmagnet-Motor des Cybercab nach Unterlagen der US-Umweltbehörde EPA 163 kW.
Cybercab-Produktion in Texas
Gebaut wird das Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale in Texas. Beim Werksbesuch von Munro wurde das Team auch von Lars Moravy begleitet, Vizepräsident für Fahrzeugentwicklung bei Tesla. Laut TeslaNorth ist die Produktionslinie bereits schneller, als Tesla die Fahrzeuge in den Einsatz bringen kann, weshalb sie nicht jeden Tag läuft. Die Linie ist demnach zu rund 78% automatisiert, angestrebt wird eine Taktzeit von 10 Sekunden pro Fahrzeug. Tesla setzt dabei auf das sogenannte Unboxed-Verfahren, bei dem Front-, Heck-, Seiten- und Mittelmodule getrennt gebaut und erst am Ende zusammengefügt werden. Eine Lackiererei gibt es nicht, die Karosserieteile erhalten ihre Farbe bereits im Formprozess.
Einordnung
Dass Tesla Technik aus einem neuen Modell in bestehende Baureihen überträgt, ist bei dem Hersteller üblich. Änderungen dieser Art erfolgen meist ohne neue Modellbezeichnung während des laufenden Modellzyklus. Ein Model 3 mit der neuen Elektronik dürfte sich daher äußerlich und im Konfigurator nicht von bisherigen Fahrzeugen unterscheiden. Für Tesla stehen vor allem niedrigere Kosten und eine robustere Lieferkette im Vordergrund. Ob Kunden von der Neuerung durch mehr Reichweite oder geringeren Verbrauch profitieren, lässt sich erst sagen, wenn Tesla Daten veröffentlicht oder entsprechende Fahrzeuge getestet werden.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden ändert sich durch die neue Inverter-Technik zunächst wenig. Da die Umstellung ohne neue Modellversion erfolgt, ist beim Abschluss eines Leasingvertrags nicht unbedingt erkennbar, welche Elektronik im Fahrzeug steckt. Auf den Restwert dürfte die Änderung kaum Einfluss haben, solange keine messbaren Vorteile bei Reichweite oder Verbrauch bekannt sind. Wer Tesla Angebote für das Model 3 prüft, sollte daher wie gewohnt auf Rate, Laufzeit, Kilometerleistung und Lieferzeit achten. Ein Vergleich verschiedener Leasing Angebote lohnt sich auch mit Blick auf mögliche Aktionen zum Jahresende.
Quelle: ElektroQuatsch





