Plug-in-Hybride: Debatte um 15-Liter-Tank in der EU
Sollen Plug-in-Hybride künftig nur noch mit kleinen Kraftstofftanks verkauft werden dürfen? Um diese Frage ist eine Debatte entbrannt. Spanische und italienische Medien berichten seit dem 27. Oktober 2026, in EU-Kreisen werde eine Begrenzung der Tankgröße für neue Autos erwogen, vor allem für Plug-in-Hybride. Ein offizieller Vorschlag der EU-Kommission liegt jedoch nicht vor. Die konkrete Zahl von 15 Litern stammt aus einem Bericht der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E). Beschlossen ist nichts.
Woher die Berichte stammen
Ausgangspunkt ist ein Bericht der spanischen Zeitung El Debate, den unter anderem das Fachmagazin Autopista aufgegriffen hat. Demnach wird in Brüssel überlegt, die Kapazität von Kraftstofftanks per Verordnung zu regeln oder eine maximale Größe festzulegen. Ein konkretes Dokument, einen Zeitplan oder einen Grenzwert nennen die Berichte nicht. Auch eine Bestätigung der EU-Kommission gibt es bislang nicht. Als Beispiele für große Tanks werden der Audi A8 50 TDI mit 82 Litern, der Plug-in-Hybrid A8 60 TFSI e mit 65 Litern und der chinesische Yangwang U8 mit 75 Litern genannt.
Der Vorschlag von T&E
Die Idee eines kleinen Tanks hatte T&E Mitte Oktober in einem neuen Bericht zu Plug-in-Hybriden ins Spiel gebracht. Laut InsideEVs plädiert die Organisation dafür, Plug-in-Hybride mit Tanks von höchstens 15 Litern zu fördern. Kleinere Tanks sollen dazu führen, dass Halter häufiger laden und mehr elektrisch fahren. Darüber hinaus fordert T&E für Plug-in-Hybride bis 2030 eine reale elektrische Reichweite von mindestens 200 km, eine Gleichstrom-Ladeleistung von mehr als 100 kW und einen Elektromotor, der mindestens 3-mal so stark ist wie der Verbrennungsmotor. Strom soll damit zum Hauptantrieb werden, Benzin nur noch als Reserve dienen. Es handelt sich dabei um Empfehlungen an die EU-Gesetzgeber, nicht um geltendes oder geplantes Recht.
Die Zahlen hinter der Debatte
Grundlage des T&E-Berichts sind Daten der Europäischen Umweltagentur zu Plug-in-Hybriden, die 2024 zugelassen wurden. Nach Angaben von Hibridos y Electricos lagen die realen CO₂-Emissionen dieser Fahrzeuge rund 6-mal höher als die offiziellen Werte. Gegenüber Verbrennern und klassischen Hybriden stießen sie real nur 14% weniger CO₂ aus, offiziell sind es 83%. Rein elektrisch wurden demnach nur 27% der Kilometer zurückgelegt. Für die Halter hat das auch finanzielle Folgen: T&E kalkuliert für einen Plug-in-Hybrid aus 2024 Energiekosten von rund 1.810€ pro Jahr, nach offiziellen Verbrauchswerten wären es nur rund 1.130€.
Bezug zu den bisherigen Debatten
Die Diskussion knüpft an die Frage an, wie realistisch die offiziellen Verbrauchswerte von Plug-in-Hybriden sind. Über die Kritik von T&E an zu niedrigen CO₂-Werten von Plug-in-Hybriden und den sogenannten Nutzfaktor berichteten wir bereits. Seit 2025 gewichtet ein neuer Nutzfaktor den elektrischen Fahranteil bei der Berechnung geringer, eine weitere Stufe ist für 2027 vorgesehen. Gleichzeitig wird in Brüssel über eine Lockerung der CO₂-Ziele ab 2035 verhandelt, bei der Plug-in-Hybride auch nach 2035 eine Rolle spielen könnten. Zuletzt berichteten wir über den Kompromiss der EU-Ausschüsse zum Verbrenner-Aus.
Kritik an der Idee
Die Berichte über mögliche Tankgrenzen stoßen auf deutliche Kritik. Der frühere Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern Mathias Brodkorb (SPD) bezeichnet die Überlegungen in einem Kommentar für Cicero als absurd und wirft der EU vor, Wettbewerb per Regulierung zu ersetzen. Auch Autopista bezweifelt, dass ein kleinerer Tank Fahrer tatsächlich zum Laden bewegt. Kritiker verweisen zudem darauf, dass häufigere Tankstopps vor allem Vielfahrer auf Langstrecken treffen würden. Befürworter halten dagegen, dass Plug-in-Hybride nur dann einen echten Klimavorteil bieten, wenn sie überwiegend elektrisch gefahren werden.
Einordnung
Bislang handelt es sich um einen Vorschlag einer Umweltorganisation und um unbestätigte Medienberichte über Überlegungen in Brüssel. Ein Gesetzgebungsverfahren zur Tankgröße ist nicht bekannt. Klar ist aber, dass Plug-in-Hybride politisch zunehmend in den Fokus rücken, weil ihre realen Emissionen deutlich über den offiziellen Werten liegen. Ob es jemals Vorgaben zur Tankgröße gibt, ist offen.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden ändert sich durch die Debatte nichts. Aktuelle Plug-in-Hybride sind weiterhin mit üblichen Tankgrößen erhältlich. Wichtiger für die Kalkulation ist der reale Verbrauch: Wer selten lädt, zahlt laut T&E deutlich mehr für Kraftstoff als nach den offiziellen Werten zu erwarten. Bei Leasing Angeboten für Plug-in-Hybride lohnt sich daher ein Blick auf die eigene Lademöglichkeit und das Fahrprofil. Für Dienstwagenfahrer bleibt zudem die steuerliche Förderung ein wichtiger Faktor, die an eine Mindestreichweite im Elektrobetrieb geknüpft ist.
Quelle: Cicero





