Verbrenner-Aus: EU-Ausschüsse stimmen für 87,5%-Ziel

Veröffentlicht am 26.10.2026
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Verbrenner-Aus: EU-Ausschüsse stimmen für 87,5%-Ziel
Symbolbild

Im Europäischen Parlament zeichnet sich eine Lockerung des Verbrenner-Aus ab. Der Verkehrsausschuss und der Industrieausschuss haben am 22. Oktober 2026 einem Kompromiss der Fraktionen EVP, S&D und Renew Europe zugestimmt. Demnach sollen die CO₂-Emissionen neuer Pkw bis 2035 nur noch um 87,5% statt 100% gegenüber 2021 sinken. Bis zu einer Minderung von 95% könnten Hersteller Emissionen über den Einsatz von klimafreundlichem Stahl ausgleichen. Neue Autos mit Verbrennungsmotor und Plug-in-Hybride könnten damit auch nach 2035 zugelassen werden. Beschlossen ist der Kompromiss allerdings noch nicht.

Die Kernpunkte des Kompromisses

Nach einem Bericht von Agence Europe sieht der Kompromiss für Pkw ein Reduktionsziel von 87,5% bis 2035 vor. Die verbleibenden Emissionen bis zu einer Minderung von 95% können Hersteller über Gutschriften für kohlenstoffarmen Stahl ausgleichen. Zudem sollen Fahrzeuge, die ausschließlich mit zugelassenen erneuerbaren Kraftstoffen fahren, als emissionsfrei gelten. Für leichte Nutzfahrzeuge soll das Ziel für 2030 von 40% auf 35% und für 2035 von 90% auf 80% sinken. Günstige elektrische Kleinwagen und besonders effiziente Elektroautos sollen über sogenannte Super-Credits stärker angerechnet werden. Auch eine Komponente für in Europa hergestellte Fahrzeuge ist vorgesehen, etwa über zusätzliche Anrechnungen für europäische Hersteller.

Vergleich mit Kommission und Berlin/Paris

Die EU-Kommission hatte im Dezember 2025 eine Senkung um 90% vorgeschlagen, wobei die restlichen 10% vollständig über grünen Stahl und saubere Kraftstoffe ausgeglichen werden sollten. Deutschland und Frankreich hatten sich Mitte Oktober auf eine Senkung um 90% ohne Ausgleich verständigt. Der Kompromiss im Parlament liegt beim Reduktionsziel unter beiden Vorschlägen, verlangt aber einen teilweisen Ausgleich über Stahl. Das geltende Recht aus dem Jahr 2023 sieht dagegen eine Senkung um 100% bis 2035 vor. Laut electrive sieht das Paket der Kommission zudem vor, die Zwischenziele für 2030 über die Jahre 2030 bis 2032 zu mitteln. Kleine Elektroautos unter 4,20 m Länge sollen nach dem Vorschlag der Kommission stärker angerechnet werden, ein VW ID. Polo würde etwa als 1,3 Fahrzeuge zählen. Zum Paket gehört außerdem ein Förderprogramm für die Batterieproduktion mit einem Volumen von 1,5 Milliarden €.

Reaktionen aus dem Parlament

Die Bewertungen fallen unterschiedlich aus. Der französische Renew-Abgeordnete Pascal Canfin räumte ein, dass der Kompromiss etwas langsamer sei als die deutsch-französische Einigung. Die Nachfrage nach grünem Stahl gleiche das aber aus, was sich mit Blick auf die Gesamtemissionen lohne. Die Grünen-Abgeordnete Tilly Metz aus Luxemburg kritisierte dagegen, die Einigung bremse den Wandel und gefährde die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China. Der kroatische EVP-Abgeordnete Tomislav Sokol unterstützte bei der Herkunftsfrage grundsätzlich den deutsch-französischen Ansatz und schlug den Europäischen Wirtschaftsraum und die Schweiz als Ausgangspunkt vor. Die Vorsitzende der S&D-Fraktion, Iratxe García Pérez, hatte zuvor betont, dass es noch keine endgültige Einigung gebe. Der Automobilclub EAC begrüßte die Richtung. „Die Menschen sollen selbst entscheiden können, welcher Antrieb zu ihrem Alltag und ihrem Budget passt“, sagte EAC-Präsident Holger Küster.

Wie es weitergeht

Bis zu einer Entscheidung sind noch mehrere Schritte nötig. Der Umweltausschuss soll sich Anfang November mit dem Thema befassen. Laut Agence Europe hängt die Abstimmung im Plenum zudem an einer Einigung zum sogenannten Industrial Accelerator Act, der die „Made in Europe“-Regeln enthält. Der Industrieausschuss soll darüber im Dezember 2026 abstimmen. Danach muss das Parlament mit dem Rat der Mitgliedstaaten verhandeln. Dort ist eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 15 Staaten nötig, die zusammen 65% der EU-Bevölkerung vertreten.

Einordnung

Mit dem Kompromiss im Parlament und der deutsch-französischen Position zeichnet sich ab, dass sowohl im Parlament als auch bei wichtigen Mitgliedstaaten eine Lockerung des Verbrenner-Aus ab 2035 Unterstützung findet. Befürworter sehen darin mehr Technologieoffenheit und Entlastung für Hersteller und Zulieferer. Kritiker warnen, dass der Umstieg auf Elektroautos gebremst wird und Europa im Wettbewerb mit China zurückfällt. Wie die Regeln am Ende genau aussehen, entscheidet sich erst in den Verhandlungen zwischen Parlament und Rat. Bis dahin bleibt offen, welche Antriebe nach 2035 in welchem Umfang neu zugelassen werden dürfen.

Bedeutung fürs Leasing

Für Leasingkunden ändert sich kurzfristig nichts, da die neuen Regeln frühestens Jahre später greifen. Mittelfristig könnten Verbrenner und Plug-in-Hybride länger im Angebot bleiben als bisher erwartet. Das kann sich auf die Restwerte verschiedener Antriebe und damit auf die Leasingraten auswirken. Wer Leasing Angebote vergleicht, sollte die Entwicklung daher im Blick behalten. Bei Elektroautos bleibt die E-Auto-Prämie für Privatkunden ein wichtiger Faktor bei der Kalkulation.

Quelle: netz-trends

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