Autohaus König: 212 Mio € Schulden trotz Umsatzplus

Veröffentlicht am 17.09.2026
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Autohaus König: 212 Mio € Schulden trotz Umsatzplus
Symbolbild

Die Insolvenz des Berliner Autohändlers König wirft ein Schlaglicht auf die angespannte Lage im Autohandel. Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen trotz eines Umsatzplus zahlungsunfähig wurde. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags Anfang September 2026 standen den fälligen Verbindlichkeiten von rund 212 Millionen € nur etwa 1,3 Millionen € an liquiden Mitteln gegenüber. Betroffen sind rund 1.200 Beschäftigte an 82 Standorten, vor allem in Ostdeutschland. Das Verfahren läuft über das Amtsgericht Charlottenburg, vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Berliner Rechtsanwalt Dr. Rainer Eckert. König gilt als einer der größten Autohändler Deutschlands.

Insolvent trotz Umsatzplus

Auf den ersten Blick wirkten die Geschäftszahlen solide. Im Zeitraum von September 2023 bis August 2024 erzielte die Gruppe einen Umsatz von rund 570 Millionen € bei einem Gewinn von etwa 1,2 Millionen €. Auch der Absatz entwickelte sich zuletzt positiv: Im ersten Quartal 2025 stiegen die Fahrzeugverkäufe um 11% auf rund 11.600 Einheiten, und der Werkstattumsatz erreichte im März 2025 mit 6,8 Millionen € einen Höchststand. Dass ein Unternehmen mit wachsendem Geschäft dennoch in die Insolvenz rutscht, zeigt, wie dünn die Margen im Autohandel geworden sind und wie schnell eine Finanzierungslücke entstehen kann.

Woran es lag

Als Ursachen werden mehrere Faktoren genannt. Im Vordergrund steht die kostenintensive Umstellung vom Verbrenner auf das Elektroauto, die hohe Investitionen erfordert, während zugleich das Neuwagengeschäft stagniert. Hinzu kommen sinkende Margen je Fahrzeug, wachsender Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter und die Belastung aus Expansionen zu Beginn des Jahres 2026. Der Insolvenzverwalter verweist allgemein auf den Wandel im Automobilhandel. In Summe traf ein hoher Kapitalbedarf auf ein Geschäft, das trotz Umsatzwachstum zu wenig abwarf, um die Verbindlichkeiten zu bedienen. Der Fall steht damit beispielhaft für viele Autohäuser, die zwischen teurer Elektro-Transformation und schrumpfenden Erträgen unter Druck geraten.

Was mit dem Betrieb passiert

Nach eigenen Angaben strebt das Unternehmen eine Sanierung im laufenden Geschäftsbetrieb an. Verkauf, Werkstätten, Ersatzteilversorgung und Serviceleistungen sollen an allen Standorten im gewohnten Umfang fortgeführt werden, laufende Aufträge, Reparaturen und Fahrzeugbestellungen würden planmäßig bearbeitet. Die Gehälter der Beschäftigten sind im vorläufigen Verfahren über das Insolvenzgeld abgesichert. Die Geschäftsführung erklärte, man habe „bis zuletzt intensiv um eine Lösung außerhalb der Insolvenz gerungen", nun schaffe das Verfahren „eine geordnete und klare Struktur". Parallel laufen Gespräche mit den Herstellerpartnern Renault und Stellantis über die Zukunft des Unternehmens und den Erhalt möglichst vieler Standorte.

Berichte über offene Fragen

Über die reinen Zahlen hinaus berichten Medien wie Business Insider und Welt unter Berufung auf einen Insider über Vorwürfe zur Finanzierungspraxis des Unternehmens. Die Vorwürfe sind bislang weder gerichtlich festgestellt noch vom Unternehmen bestätigt, sodass die Unschuldsvermutung gilt. Ob und in welchem Umfang die Vorwürfe zutreffen, müssen die weitere Aufarbeitung im Insolvenzverfahren und gegebenenfalls die zuständigen Stellen klären. Maßgeblich sind bis dahin die offiziellen Angaben zum Verfahren und zur Fortführung des Betriebs.

Was Kunden beachten sollten

Für Kundinnen und Kunden ist vor allem wichtig, dass der Betrieb zunächst weiterläuft. Wer ein Fahrzeug bestellt oder eine Anzahlung geleistet hat, sollte den Stand des eigenen Vorgangs bei der jeweiligen Niederlassung erfragen. Für geleistete Anzahlungen wollen Geschäftsführung und Insolvenzverwalter gemeinsam mit den Herstellern individuelle Lösungen finden. Bei bereits laufenden Finanzierungen oder Werkstattaufträgen empfiehlt sich, alle Unterlagen und Zahlungsbelege sorgfältig aufzubewahren und offene Punkte möglichst schriftlich zu klären. Herstellergarantien bleiben davon in der Regel unberührt, da sie über den jeweiligen Hersteller und nicht allein über den einzelnen Händler laufen. Renault bestätigte, dass Serviceleistungen weiter zugänglich sind und Wartungen auch bei anderen autorisierten Partnern möglich bleiben.

Bedeutung fürs Leasing

Auch für Leasingkunden ist die Lage relevant, da viele Fahrzeuge über Händler wie König vermittelt und betreut werden. Laufende Leasingverträge werden in der Regel über die dahinterstehende Bank oder Leasinggesellschaft abgewickelt, die von der Händlerinsolvenz zunächst getrennt zu betrachten ist. Wer heute Leasing Angebote prüft, sollte im Zweifel klären, wer Vertragspartner ist und wo Service und Wartung erfolgen. Der Fall zeigt zugleich, wie wichtig ein stabiler Partner über die gesamte Vertragslaufzeit ist. Bei der Auswahl von Leasing Deals lohnt daher der Blick auf die Verlässlichkeit des Anbieters und ein gesichertes Werkstattnetz. Grundsätzlich bleibt der Automarkt in Bewegung, und die Insolvenz eines der größten Händler Deutschlands ist ein weiteres Zeichen für den tiefgreifenden Wandel der Branche, der Hersteller, Handel und Kunden gleichermaßen betrifft.

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