Wenig E-Auto-Kauflust trotz steigender Zulassungen

Veröffentlicht am 11.09.2026
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Wenig E-Auto-Kauflust trotz steigender Zulassungen
Symbolbild

Eine neue Verbraucherumfrage des europäischen Zuliefererverbands CLEPA sorgt für Diskussionen, weil ihr Ergebnis auf den ersten Blick im Widerspruch zur Marktentwicklung steht. Befragt wurden mehr als 5.200 Menschen in 5 Ländern, nämlich Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Spanien. Das zentrale Ergebnis: Nur rund 8% wollen bei der nächsten Autobeschaffung ein reines Batterie-Elektroauto anschaffen. Diese Zahl klingt ernüchternd, doch die tatsächlichen Zulassungszahlen zeichnen ein anderes Bild. Der Fall zeigt, wie stark Umfrageergebnis und reale Kaufentscheidung auseinanderfallen können.

Was die Umfrage aussagt

Im Kern misst die Erhebung die grundsätzliche Kaufabsicht der Bevölkerung in 5 großen europäischen Märkten. Der ermittelte Anteil von rund 8% für ein reines Elektroauto legt nahe, dass die breite Masse batterieelektrische Modelle bei der nächsten Anschaffung noch nicht als erste Wahl sieht. Für einen Zuliefererverband ist das ein wichtiges Signal, weil die Mitgliedsunternehmen ihre Produktion und Investitionen an der erwarteten Nachfrage ausrichten müssen. Der Verband nutzt solche Daten, um in der Debatte über Antriebe und Regulierung die Sicht der Industrie einzubringen (Stand der Veröffentlichung: September 2026). Zugleich ist zu beachten, dass ein Verband mit einer solchen Erhebung eigene Interessen vertritt, weshalb die Ergebnisse im Zusammenhang mit unabhängigen Statistiken gelesen werden sollten. Genau dort wird der Kontrast zwischen abgefragter Stimmung und realem Markt sichtbar.

Die Marktzahlen sprechen anders

Dem steht die reale Zulassungsentwicklung gegenüber. Nach den im Artikel genannten Zahlen waren im August 42,7% der privat zugelassenen Pkw rein elektrisch, und 51,0% der privaten Neuzulassungen extern aufladbar (also batterieelektrisch oder als Plug-in-Hybrid). Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag dieser Anteil erst bei 26,9%. Der Markt wächst also deutlich, während die abgefragte Kaufabsicht niedrig bleibt. Ein Teil der Erklärung liefert CLEPA-Generalsekretär Benjamin Krieger selbst: „In den Verkaufszahlen neuer Elektrofahrzeuge steckt ein hoher Anteil an gewerblichen Flottenzulassungen." Firmen- und Flottenfahrzeuge treiben den Absatz demnach stärker als private Käufer. Dieser Unterschied ist entscheidend, weil eine hohe Gesamtzulassung nicht automatisch bedeutet, dass auch Privatkunden in gleichem Maße zugreifen. Ein großer Teil der Neuwagen läuft über Unternehmen, Behörden und Vermieter, die aus steuerlichen und betrieblichen Gründen früher auf elektrische Antriebe umstellen als viele Privathaushalte.

Kritik an der Methodik

Mehrere Punkte relativieren die niedrige 8-%-Angabe. Befragt wurden offenbar alle Erwachsenen, also auch Menschen ohne Führerschein oder ohne eigenes Auto, die ohnehin kein Fahrzeug kaufen. Zudem ließ die Umfrage 2 bevorzugte Antriebsarten gleichzeitig zu, wodurch sich Kombinationen ergeben und einzelne Technologien anders gewichtet erscheinen. Schließlich wurde eine allgemeine, langfristige Kaufneigung erhoben und nicht die konkrete, kurzfristige Anschaffung. Solche Fragestellungen liefern niedrigere Werte als eine gezielte Befragung von Menschen, die tatsächlich vor einem Autokauf stehen. Die Zahl ist damit weniger überraschend, als sie zunächst wirkt.

Einordnung

Beide Perspektiven haben ihre Berechtigung und widersprechen sich weniger, als es scheint. Die Umfrage bildet die allgemeine Stimmung in der Bevölkerung ab, während die Zulassungsstatistik die tatsächlichen Käufe zeigt, die aktuell stark von Flotten und Förderlogik geprägt sind. Wer die Marktentwicklung bewerten will, sollte deshalb beide Größen nebeneinanderlegen, statt eine einzelne Zahl zu verabsolutieren. Für die Zulieferindustrie bleibt die zentrale Frage, wie schnell die private Nachfrage der gewerblichen folgt, denn davon hängen Planung und Auslastung der Werke ab. Eine politische Wertung lässt sich aus den Daten allein nicht ableiten, wohl aber die Erkenntnis, dass Absichtserklärung und Kaufverhalten auseinanderliegen. Beobachter verweisen zudem darauf, dass Kaufabsichten sich mit Preisentwicklung, Ladeinfrastruktur und Modellangebot rasch verschieben können. Eine Momentaufnahme der Stimmung ist deshalb nur begrenzt geeignet, um langfristige Trends vorherzusagen, und sollte regelmäßig mit den tatsächlichen Zulassungszahlen abgeglichen werden.

Bedeutung fürs Leasing

Gerade der hohe Flottenanteil verweist auf die Rolle von Leasing und gewerblicher Finanzierung. Viele Elektroautos gelangen nicht über den klassischen Privatkauf auf die Straße, sondern über Dienstwagen- und Leasingverträge, die von steuerlichen Vorteilen und günstigen Konditionen profitieren. Für private Interessenten kann das ein Hinweis sein, den Weg über attraktive Leasing Angebote zu prüfen, statt ein Elektroauto direkt zu kaufen. Da Leasingraten stark vom Restwert abhängen und dieser bei Elektroautos derzeit schwer kalkulierbar ist, lohnt der genaue Vergleich mehrerer Angebote. Wer flexible Leasing Deals nutzt, kann die Unsicherheit über künftige Wertverläufe teilweise auf den Anbieter verlagern und den Einstieg in die Elektromobilität mit überschaubarem Risiko testen. Die Lücke zwischen geringer Kaufabsicht und steigenden Zulassungen dürfte sich so zumindest teilweise über den Leasingmarkt schließen, weil flexible Verträge den Umstieg auch für zögerliche Privatkunden greifbarer und finanziell planbarer machen.

Quelle: electrive

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