Autohaus König: Neue Details zur Pleite des Renault-Händlers
Nach der Insolvenz von Autohaus König werden die Hintergründe der Pleite deutlicher – und sie sind drastisch. Der einst größte Renault-Händler Deutschlands steht laut Berichten mit fälligen Verbindlichkeiten von mehr als 212 Millionen € in der Kreide, während dem Unternehmen zum Zeitpunkt des Antrags nur noch rund 1,3 Millionen € an liquiden Mitteln zur Verfügung standen. Der Insolvenzantrag wurde am 2. September 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg gestellt; zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Rainer Eckert bestellt. Betroffen sind rund 1.200 Beschäftigte an 82 Standorten, überwiegend in Ostdeutschland.
Ein tiefes Loch in der Kasse
Die neuen Zahlen zeigen, wie eng es finanziell zuletzt war. Der Kluft zwischen Schulden und verfügbaren Mitteln steht kaum Spielraum gegenüber: Zusätzlich zu den 1,3 Millionen € an Barmitteln waren nach den Angaben lediglich Kreditlinien von rund 250.000€ nicht ausgeschöpft. Für ein Unternehmen dieser Größe ist das ein sehr schmaler Puffer. Die Marken im Portfolio reichten zuletzt weit über Renault hinaus und umfassten unter anderem Dacia, Opel, Fiat, Jeep, Suzuki, Kia sowie den chinesischen Anbieter BYD. Als Mehrheitsgesellschafterin galt zuletzt Dagmar König, die Berichten zufolge nach einem Käufer für ihre Anteile gesucht hatte.
Kollaps nach dem Rekordjahr
Besonders bemerkenswert ist der zeitliche Ablauf. Noch kurz zuvor hatte das Unternehmen Wachstum gemeldet: Im 1. Quartal 2025 wurden rund 11.600 Fahrzeuge verkauft, ein Plus von etwa 11% gegenüber dem Vorjahr, und der Werkstattumsatz erreichte im März 2025 mit 6,8 Millionen € einen Höchststand. Anfang 2026 übernahm König sogar weitere Betriebe. Im letzten verfügbaren Geschäftsbericht für den Zeitraum September 2023 bis August 2024 stand ein Umsatz von rund 570 Millionen € bei einem Gewinn von etwa 1,2 Millionen €. Dass auf diese Expansion so schnell die Insolvenz folgte, macht den Fall so brisant.
Zahlen zur Pleite
Merkmal |
Wert |
|---|---|
Insolvenzantrag |
2. September 2026 |
Fällige Verbindlichkeiten |
über 212 Millionen € |
Liquide Mittel |
rund 1,3 Millionen € |
Beschäftigte |
rund 1.200 |
Standorte |
82 |
Gegründet |
1966 |
Autohaus König, Angaben aus der Berichterstattung, Stand September 2026.
Wie es jetzt weitergeht
Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter: Verkauf, Werkstätten und Ersatzteilgeschäft sind vorerst nicht eingestellt. Als Gründe für die Schieflage gelten der teure Umbau vom Verbrenner zum Elektroauto, ein stagnierendes Neuwagengeschäft, sinkende Margen pro Fahrzeug und der wachsende Wettbewerbsdruck durch neue Anbieter. Ob sich ein Investor findet oder Teile des Unternehmens fortgeführt werden können, hängt vom weiteren Verlauf des vorläufigen Verfahrens ab. Eine offizielle, detaillierte Stellungnahme der Geschäftsführung zu den einzelnen Zahlen stand zunächst aus.
Einordnung
Die genannten Zahlen geben den Stand von Anfang September 2026 wieder und stammen aus der Berichterstattung über das Insolvenzverfahren; eine unabhängige Prüfung aller Angaben steht noch aus. Es handelt sich um ein laufendes Verfahren, in dem noch nicht alle Ursachen abschließend geklärt sind. Der Fall reiht sich in eine Serie von Händlerinsolvenzen ein und zeigt, wie stark der Umbruch im Autohandel selbst große, etablierte Betriebe trifft. Zugleich mahnt der Kontrast zwischen jüngsten Rekordzahlen und plötzlicher Zahlungsunfähigkeit zur Vorsicht bei der Deutung einzelner Umsatzmeldungen: Wachstum allein sagt wenig über die tatsächliche finanzielle Stabilität eines Unternehmens aus.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden ist vor allem entscheidend, wer Vertragspartner des Leasingvertrags ist. In aller Regel läuft ein Leasingvertrag nicht über das Autohaus selbst, sondern über eine Leasing- oder Herstellerbank; ein solcher Vertrag besteht unabhängig von der Insolvenz des Händlers grundsätzlich fort. Für Wartung und Service lässt sich im Zweifel auf andere Vertragspartner der jeweiligen Marke ausweichen. Beim Abschluss neuer Verträge lohnt sich generell der Blick darauf, wer Leasinggeber ist und wie Service und Gewährleistung geregelt sind. Wer die passenden Leasing Deals sucht, sollte neben der monatlichen Rate auch Laufzeit, Inklusivkilometer und die Abwicklung über eine solide Leasinggesellschaft berücksichtigen. Die Häufung von Händlerpleiten zeigt, wie sehr sich der Vertrieb von Autos derzeit verändert.
Quelle: Business Insider





