VW Zwickau: Recycling-Anlage zerlegt alte Autos
Volkswagen hat im Werk Zwickau eine Anlage zur industriellen Zerlegung von Fahrzeugen eröffnet. Auf einer 8-stufigen Demontagelinie sollen Vorserien- und Altfahrzeuge in ihre Bestandteile zerlegt werden, um Ersatzteile und Rohstoffe zurückzugewinnen. Die Eröffnung fand Ende Oktober 2026 statt. Langfristig sollen im neuen Geschäftsbereich Kreislaufwirtschaft bis zu 1.000 Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig wächst die Sorge um die Zukunft des Standorts, denn die Produktion der aktuell in Zwickau gebauten Modelle läuft 2031 aus.
So funktioniert die Anlage
Laut electrive umfasst die Demontagelinie eine Fläche von 1.200 m². Zunächst können im Zweischichtbetrieb rund 4.100 Fahrzeuge pro Jahr zerlegt werden. Bis 2030 soll die Kapazität laut Reuters auf bis zu 15.000 Fahrzeuge jährlich steigen. Bauteile wie Motoren, Getriebe, Türen und Stoßfänger werden für das Ersatzteilgeschäft gewonnen und aufbereitet. Rohstoffe sollen möglichst sortenrein zurückgewonnen werden, Kunststoffe werden vor der Verwertung getrennt. Nach Angaben von VW deckt das Plastik eines Altfahrzeugs rechnerisch den Bedarf an recyceltem Kunststoff für 3 Neuwagen. Um Kosten zu sparen, nutzt VW teilweise vorhandene Anlagentechnik aus der Fahrzeugproduktion.
Arbeitsplätze und Förderung
Für die neue Linie werden zunächst rund 100 Beschäftigte eingesetzt. Die Zielmarke von bis zu 1.000 Stellen im Bereich Kreislaufwirtschaft geht auf die Tarifvereinbarung vom Dezember 2024 zurück. Der Freistaat Sachsen unterstützt das Projekt laut Reuters mit bis zu 10,7 Millionen €. Die Höhe der Gesamtinvestition hat Volkswagen nicht genannt. Betrieben wird die Anlage von der Volkswagen Sachsen GmbH, zudem plant der Konzern ein europaweites Partnernetzwerk für die industrielle Kreislaufwirtschaft.
Das sagen VW und Experten
VW-Markenchef Thomas Schäfer sagte bei der Eröffnung: „Ab heute bauen wir in Zwickau Autos nicht nur zusammen, sondern auch wieder auseinander.“ Demontage bedeute für Volkswagen Wertschöpfung statt Schrottplatz. Danny Auerswald, Sprecher der Geschäftsführung der Volkswagen Sachsen GmbH, betonte: „Das Team am Standort Zwickau nimmt die Aufgabe beherzt an.“ Zurückhaltender äußerte sich Henning Wilts vom Wuppertal Institut. Der Experte für Kreislaufwirtschaft bezeichnete die Anlage als bestenfalls ein Experiment, das sicherlich nicht die Antwort auf alle Fragen der europäischen Autoindustrie sei.
Hintergrund: EU-Vorgaben für Rezyklate
Mit der Anlage bereitet sich Volkswagen auch auf strengere Vorgaben aus Brüssel vor. Die EU plant Mindestanteile an recyceltem Material in Neuwagen, die ab 2032 greifen sollen. Hersteller müssen dann nachweisen, dass ein Teil der verbauten Kunststoffe aus dem Recycling stammt. Wer Altfahrzeuge selbst zerlegt und die Materialien sortenrein zurückgewinnt, kann sich diese Rohstoffe sichern. Zugleich wird das Geschäft mit aufbereiteten Ersatzteilen für Hersteller wirtschaftlich interessanter.
Recycling als Branchentrend
Volkswagen ist mit dem Thema nicht allein. Mehrere Hersteller bauen derzeit eigene Kapazitäten für die Kreislaufwirtschaft auf, bislang allerdings vor allem bei Batterien. Volkswagen betreibt bereits seit 2021 in Salzgitter eine Pilotanlage für das Recycling von Hochvoltbatterien. Mercedes-Benz hat 2024 in Kuppenheim eine eigene Recyclingfabrik für Batterien eröffnet. Die Zerlegung kompletter Fahrzeuge in industriellem Maßstab ist dagegen noch selten. Mit der Anlage in Zwickau weitet Volkswagen den Ansatz nun auf das gesamte Auto aus.
Sorgen um den Standort Zwickau
Für das Werk Zwickau ist die Recycling-Anlage ein Hoffnungsschimmer, sichert den Standort aber nicht allein. Zwickau war gemeinsam mit Emden das Pilotwerk für die Elektromobilität im VW-Konzern. Die Produktion der aktuellen Modelle läuft jedoch 2031 aus, was danach kommt, ist offen. Zwickau gehört zu den Standorten, deren Zukunft im Zuge des Sparkurses geprüft wird. Über den Sanierungsplan von Volkswagen berichteten wir bereits. Laut Reuters hatte VW-Chef Oliver Blume Zwickau zwischenzeitlich als möglichen Standort für in China entwickelte Modelle ins Gespräch gebracht. Diese Idee wurde nach Informationen der Nachrichtenagentur jedoch nicht weiterverfolgt.
Einordnung
Mit der Demontagelinie baut Volkswagen ein neues Geschäftsfeld auf, das mit Blick auf die EU-Vorgaben und knappe Rohstoffe an Bedeutung gewinnen dürfte. Für die Beschäftigten in Zwickau bietet die Kreislaufwirtschaft eine mögliche Perspektive. Mit bis zu 1.000 Stellen kann sie die Fahrzeugproduktion aber nicht ersetzen. Die Entscheidung über die langfristige Zukunft des Werks steht weiterhin aus.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden hat die neue Anlage zunächst keine direkten Auswirkungen. Mittelfristig kann ein wachsendes Angebot an aufbereiteten Original-Ersatzteilen Reparaturen günstiger machen, was sich auch auf Wartungs- und Servicepakete auswirken kann. Die aktuell in Zwickau gebauten Elektromodelle bleiben weiterhin erhältlich. Wer VW Angebote für Elektroautos vergleicht, kann sich wie gewohnt an den aktuellen Konditionen orientieren.
Quelle: Handelsblatt





