Schaeffler streicht 3.460 Stellen und schließt Werke

Veröffentlicht am 04.11.2026
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Schaeffler streicht 3.460 Stellen und schließt Werke
Symbolbild

Der Autozulieferer Schaeffler setzt den Rotstift erneut an. Das Unternehmen aus Herzogenaurach will in Europa weitere 3.460 Stellen abbauen, davon rund 2.660 in Deutschland. Betroffen sind insgesamt 16 Standorte in Europa, 4 Standorte in Deutschland sollen perspektivisch geschlossen werden. Das gab Schaeffler am 3. November 2026 zusammen mit den Zahlen für das dritte Quartal bekannt. Ab 2030 soll das Programm das Ergebnis jährlich um rund 300 Millionen € verbessern.

Diese Standorte sind betroffen

Laut dpa-AFX sollen die Standorte Dortmund mit rund 430 Beschäftigten und Morbach mit rund 160 Beschäftigten geschlossen werden. In Berlin sollen die Aktivitäten mit rund 270 Beschäftigten eingestellt werden. Der Standort Schwalbach mit rund 385 Mitarbeitenden wird aufgegeben, die meisten sollen nach Frankfurt wechseln, rund 190 Stellen fallen dort weg. Am Standort Höchstadt wird der Werkzeugbau eingestellt, in Erlangen und Schweinfurt gibt es Anpassungen im Sondermaschinenbau. Weitere Kapazitäts- und Strukturanpassungen betreffen Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg. Rund die Hälfte der wegfallenden Stellen entfällt auf die Produktion, etwa 30% auf Forschung und Entwicklung.

Belegschaft schrumpft deutlich

Die Stammbelegschaft in Deutschland soll bis 2028 auf rund 26.320 Beschäftigte sinken. Ende 2024 waren es noch 35.051, Ende September 2026 bereits 31.957. Für das Programm rechnet Schaeffler mit Einmalkosten von rund 480 Millionen €. Zusätzlich plant das Unternehmen einen sogenannten Solidaritätsbeitrag: Ein zeitlich begrenzter Gehaltsverzicht, an dem sich auch der Vorstand beteiligen soll, soll die Personalkosten pro Kopf senken und weitere Stellenstreichungen begrenzen. Laut Kurier Verlag soll er freiwillig sein und zunächst außertariflich Beschäftigte betreffen. Höhe und Dauer sind noch offen.

Nicht das erste Sparprogramm

Schaeffler baut bereits seit Längerem Stellen ab. Nach der Übernahme des Antriebsspezialisten Vitesco hatte der Konzern im November 2024 angekündigt, europaweit rund 4.700 Stellen zu streichen, davon etwa 2.800 in Deutschland. Dieses Programm ist inzwischen weitgehend umgesetzt oder vertraglich vereinbart, das Ziel soll Ende 2028 statt Ende 2029 erreicht werden. Die Werke Steinhagen in Nordrhein-Westfalen und Hameln in Niedersachsen sollen bis Ende 2026 schließen. Zudem wurden bis Anfang Oktober rund 1.800 zusätzliche Altersteilzeitverträge abgeschlossen.

Gründe: Autokrise und schwaches E-Geschäft

Als Grund nennt Schaeffler die anhaltende Krise der Autoindustrie in Europa. Der Konzern will Überkapazitäten abbauen, Entwicklungskapazitäten anpassen und die Komplexität der Organisation verringern. „Das setzt voraus, dass wir Standorte konsolidieren“, sagte Vorstandschef Klaus Rosenfeld. Besonders schwierig läuft das Geschäft mit Komponenten für Elektroautos: Die Sparte Elektromobilität kam in den ersten 9 Monaten auf eine operative Marge vor Sondereffekten von minus 14,8%. Im dritten Quartal lag der Umsatz mit 5,81 Milliarden € fast auf Vorjahresniveau, unter dem Strich stand wegen Rückstellungen für das E-Antriebsgeschäft in China ein Verlust von 83 Millionen €. Die Jahresprognose bestätigte Schaeffler.

Scharfe Kritik der IG Metall

IG Metall und Konzernbetriebsrat kritisieren die Pläne deutlich. „Bei Schaeffler folgt inzwischen ein Abbauprogramm auf das nächste“, sagte Thomas Höhn, Unternehmensbeauftragter der IG Metall für Schaeffler. „Das ist kein Zukunftskonzept für den Industriestandort Deutschland.“ Personalchefin Astrid Fontaine betonte dagegen, dass es dem Familienunternehmen besonders wichtig sei, die Maßnahmen sozialverträglich umzusetzen. Wie der Abbau konkret ablaufen soll, ist noch offen. Bei früheren Programmen setzte Schaeffler in Deutschland vor allem auf Altersteilzeit und Aufhebungsverträge. An der Börse verlor die Aktie am Dienstag rund 2%.

Einordnung

Schaeffler ist nicht der einzige Zulieferer, der Stellen streicht. Die Branche leidet unter der schwachen Nachfrage in Europa, dem Rückgang des Verbrennergeschäfts und dem Preisdruck aus China. Über den Stellenabbau bei Bosch in Nürnberg berichteten wir bereits. Für Schaeffler ist der Umbau besonders anspruchsvoll, weil der Konzern lange stark auf Verbrennertechnik ausgerichtet war und das Geschäft mit Elektroantrieben noch Verluste schreibt. Mit der Übernahme von Vitesco, der früheren Antriebssparte von Continental, wollte Schaeffler sein Elektro-Geschäft deutlich stärken. Die Nachfrage nach Elektroantrieben bleibt bei europäischen Herstellern bislang aber hinter den Erwartungen zurück, gleichzeitig gewinnen chinesische Zulieferer Marktanteile.

Bedeutung fürs Leasing

Für Leasingkunden hat der Stellenabbau keine direkten Auswirkungen. Die Versorgung mit Teilen und der Service für bestehende Fahrzeuge sind davon nicht betroffen. Die Entwicklung zeigt aber, wie stark der Kostendruck in der gesamten Autoindustrie ist. Hersteller geben diesen Druck teilweise über höhere Preise weiter, versuchen aber zugleich, mit Aktionen den Absatz anzukurbeln. Beim Vergleich von Leasingfahrzeugen lohnt es sich daher, aktuelle Leasing Angebote verschiedener Marken genau zu prüfen.

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