EU und China einigen sich: Weniger chinesische Hybridautos für Europa

Veröffentlicht am 12.10.2026
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EU und China einigen sich: Weniger chinesische Hybridautos für Europa
Symbolbild

Die EU und China haben sich darauf verständigt, die Exporte chinesischer Hybride und Plug-in-Hybride in die Europäische Union zu begrenzen. Das gab EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič nach 2-tägigen Gesprächen mit Chinas Handelsminister Wang Wentao am 9. Oktober 2026 in Peking bekannt. Laut Šefčovič könnten über einen Zeitraum von 4 Jahren mehrere Millionen Fahrzeuge weniger nach Europa geliefert werden als ohne Vereinbarung erwartet. Reine Elektroautos sind nicht Teil der Einigung. Die Details sind noch offen, zunächst müssen die EU-Staats- und Regierungschefs zustimmen.

Was vereinbart wurde

Nach Angaben von Šefčovič haben beide Seiten ein gemeinsames Verständnis erzielt, die chinesischen Exporte von Hybridfahrzeugen in die EU zu „moderieren“. Der Kommissar stellte in Aussicht, die Liefermengen um mehr als 50% zu senken. Worauf sich diese Zahl genau bezieht, ist allerdings nicht eindeutig. Nach Darstellung der EU-Kommission geht es um die erwartete Entwicklung ohne Vereinbarung, nicht um einen Rückgang gegenüber den heutigen Mengen. Eine verbindliche jährliche Obergrenze wurde nicht veröffentlicht. Šefčovič bezeichnete es als Premiere, dass China erstmals akzeptiert habe, seine Exporte zu mäßigen. Zugleich sprach er von einem entscheidenden, aber nur ersten Schritt.

Mechanismus noch offen

Wie die Begrenzung umgesetzt werden soll, ist noch nicht geklärt. Nach Angaben von Šefčovič gibt es dafür verschiedene Wege, die technischen Details müssen erst ausgearbeitet werden. Offen sind auch die Verteilung der Mengen auf Hersteller und Jahre sowie die Kontrolle. Die Vereinbarung soll mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO vereinbar sein. Derzeit kommen laut electrive rund 50.000 Hybridfahrzeuge pro Monat aus China in die EU.

Warum die EU handelt

Hintergrund ist der rasante Aufstieg chinesischer Marken bei den Hybriden. Nach Daten des Herstellerverbands ACEA kamen chinesische Marken im ersten Halbjahr 2026 bei klassischen Hybriden auf einen Marktanteil von 14%, bei Plug-in-Hybriden sogar auf 25%. Im Jahr 2024 lagen beide Werte noch bei rund 2%. Hybride sind in Europa ein wichtiges Segment: Von Januar bis August 2026 entfielen 36,6% der EU-Neuzulassungen auf klassische Hybride und 10% auf Plug-in-Hybride.

Ein Grund für den Boom sind die Zölle. Seit Oktober 2024 erhebt die EU auf bestimmte reine Elektroautos aus China Ausgleichszölle zwischen 7,8 und 35,3%, zusätzlich zum regulären Einfuhrzoll von 10%. Hybride und Plug-in-Hybride fallen nicht darunter und werden nur mit den 10% belegt. Anbieter wie BYD haben ihr Angebot an Plug-in-Hybriden in Europa zuletzt deutlich ausgebaut. Insgesamt will die EU das hohe Handelsdefizit mit China verringern, das der Kommissar als „nicht nachhaltig“ bezeichnete.

Weitere Punkte der Einigung

Die Vereinbarung zu den Hybriden ist Teil eines größeren Pakets. China will die Exportgenehmigungen für seltene Erden und Permanentmagnete an EU-Unternehmen beschleunigen, eine vollständige Aufhebung der Exportkontrollen wurde aber nicht vereinbart. Zudem sollen chinesische Einfuhrzölle auf bestimmte EU-Produkte sinken, darunter Autoteile, Olivenöl und Schuhe. Die betroffenen EU-Exporte haben einen Wert von knapp 4 Milliarden €, die möglichen Zollersparnisse liegen laut Šefčovič bei mindestens 225 Millionen €.

Reaktionen und Zeitplan

VDA-Präsidentin Hildegard Müller bezeichnete die Einigung als erstes positives Signal, eine abschließende Bewertung sei aber erst mit den Details möglich. Auch der europäische Herstellerverband ACEA sprach von einem positiven Schritt und warnte vor einer abrupten Destabilisierung des europäischen Marktes. Eine ausführliche Stellungnahme der chinesischen Regierung lag zunächst nicht vor. Am 15. und 16. Oktober 2026 beraten die EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel über die Ergebnisse. Erst danach soll die Kommission formale Schritte einleiten. Für Januar 2027 ist ein weiteres Treffen auf Ministerebene geplant, im März 2027 sollen die Handelsgespräche fortgesetzt werden.

Einordnung

Die Einigung zeigt, dass beide Seiten einen offenen Handelskonflikt vermeiden wollen. Für europäische Hersteller wie Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz könnte sie den Druck im wichtigen Hybridsegment verringern. Gleichzeitig ist China einer der wichtigsten Absatzmärkte der deutschen Autoindustrie, entsprechend vorsichtig fallen die Reaktionen aus. Wie wirksam die Vereinbarung ist, hängt von der konkreten Umsetzung ab, die noch aussteht.

Bedeutung fürs Leasing

Kurzfristig ändert sich für Leasingkunden nichts, die Vereinbarung muss erst umgesetzt werden. Mittelfristig könnte das Angebot an chinesischen Plug-in-Hybriden und Hybriden in Europa langsamer wachsen als bisher erwartet. Chinesische Marken treten in Europa häufig mit vergleichsweise niedrigen Preisen an, was sich auch in den Leasing Angeboten zeigt. Wer etwa BYD Angebote für einen Plug-in-Hybrid prüft, sollte die weitere Entwicklung verfolgen. Ob sich die Begrenzung auf Preise und Leasingraten auswirkt, lässt sich derzeit nicht absehen.

Quelle: ms-aktuell

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