China-Wende: Deutsche Industrie fordert härteren Kurs
In der deutschen Wirtschaft mehren sich die Stimmen, die einen deutlich härteren Kurs gegenüber China verlangen. Verbände und Autohersteller warnen, die heimische Industrie werde durch unfaire Wettbewerbsbedingungen unter Druck gesetzt – manche sprechen gar von einer drohenden Deindustrialisierung. Bundeskanzler Friedrich Merz hat das Kabinett damit beauftragt, Vorschläge gegen die Handelsungleichgewichte zu erarbeiten. Damit deutet sich eine mögliche Neuausrichtung der deutschen China-Politik an. Besonders die Autoindustrie, lange auf gute Geschäfte in China angewiesen, ringt um ihre Haltung.
Diese Zahlen führt die Industrie an
Die Kritiker stützen sich auf mehrere Belege. Ein OECD-Bericht vom Juni 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass chinesische Hersteller im Verhältnis zu ihrem Umsatz 3- bis 8-mal höhere staatliche Subventionen erhalten als Konkurrenten aus OECD-Ländern. Der Branchenverband BDI verweist zudem auf einen um rund 15% unterbewerteten Yuan sowie darauf, dass chinesische Anbieter ihre Fahrzeuge dadurch 30 bis 40% günstiger anbieten könnten. Das deutsche Handelsdefizit mit China stieg zuletzt auf rund 89 Mrd. € – ein Anstieg um etwa 22 Mrd. €.
Chinesische Marken wachsen rasant
Parallel gewinnen chinesische Autobauer in Europa spürbar an Boden. Im Juni 2026 verkauften Marken wie BYD, Chery und Leapmotor nach Verbandsangaben 3- bis 6-mal so viele Fahrzeuge wie im Vorjahr. SAIC legte um rund 50% zu, Geely um etwa 11%. Nach Einschätzung des BDI gehen rund 60% der Marktanteilsgewinne auf die Subventionen zurück. Für die deutschen Hersteller ist das doppelt heikel: Sie verlieren nicht nur auf dem chinesischen Heimatmarkt der Konkurrenz, sondern zunehmend auch in Europa.
Das wird konkret gefordert
Die Forderungen zielen auf gleiche Wettbewerbsbedingungen. Im Gespräch sind unter anderem Zölle auf Plug-in-Hybride aus China, für die es bislang keine gibt, sowie „Made in Europe"-Vorgaben, die einen höheren Anteil europäischer Bauteile vorschreiben würden. Zudem sollen Antidumping- und Antisubventionsverfahren verbessert und schneller umgesetzt werden. Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet der Autoverband VDA seinen bisherigen Widerstand gegen Schutzmaßnahmen überdenkt. Volkswagen-Chef Oliver Blume fordert, Europa müsse gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen.
Auch kritische Stimmen
Gegen einen zu harten Kurs gibt es allerdings Warnungen. Vertreter des Mittelstands verweisen auf das Risiko chinesischer Gegenmaßnahmen: Peking könnte etwa den Export wichtiger Rohstoffe wie seltener Erden einschränken, auf die die deutsche Industrie angewiesen ist. Zudem geben manche Ökonomen zu bedenken, dass die Schwäche der deutschen Industrie nicht allein China anzulasten sei, sondern auch mit hausgemachten Problemen wie hohen Energiekosten und einem zögerlichen Umstieg auf die Elektromobilität zusammenhänge. Höhere Zölle könnten überdies die Preise für Verbraucher steigen lassen. Die Debatte berührt damit einen Zielkonflikt zwischen dem Schutz heimischer Arbeitsplätze und den Risiken einer Eskalation.
Einordnung
Die Diskussion steht erst am Anfang, und viele der geforderten Maßnahmen sind noch nicht beschlossen. Die genannten Zahlen stammen überwiegend von Branchenverbänden und Instituten, die eigene Interessen vertreten, und sollten daher als Argumente in einer politischen Auseinandersetzung verstanden werden. Klar ist aber, dass sich das Kräfteverhältnis in der Autoindustrie verschiebt und die Politik unter Zugzwang gerät. Wie die deutsche China-Strategie am Ende aussieht, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich die EU auf ein gemeinsames Vorgehen einigt.
Bedeutung fürs Leasing
Für Verbraucher hat der Streit durchaus konkrete Folgen. Bislang sorgen die günstigen Preise chinesischer Hersteller für mehr Auswahl und attraktive Konditionen, gerade bei Elektroautos. Sollten Zölle oder „Made in Europe"-Vorgaben kommen, könnten sich einzelne Modelle jedoch verteuern. Beim Vergleich verschiedener Leasing Angebote lohnt sich daher der Blick auf Hersteller aus unterschiedlichen Regionen, um Preis und Ausstattung gegenüberzustellen. Wer die passenden Leasing Deals sucht, sollte neben der monatlichen Rate auch Laufzeit, Inklusivkilometer und die künftige Verfügbarkeit des gewünschten Modells berücksichtigen. Der Wettbewerb zwischen europäischen und chinesischen Marken kann sich für Kunden kurzfristig auszahlen – wie er sich langfristig entwickelt, hängt stark von der Handelspolitik ab.





