Mercedes bringt Point-to-Point-Assistenten nach Deutschland
Mercedes-Benz bringt sein neues Fahrassistenzsystem MB.DRIVE ASSIST PRO nach Deutschland. Das System soll Fahrzeuge vom Start bis zum Ziel unterstützen, auf der Autobahn ebenso wie im Stadtverkehr. Erste ausgewählte Kunden in Stuttgart und München sollen die Funktion bereits Ende 2026 per Software-Update nutzen können. Bestellbar ist das System in Deutschland ab dem ersten Halbjahr 2027. Entwickelt wurde es gemeinsam mit dem Chiphersteller NVIDIA. Wichtig: Es handelt sich um ein Assistenzsystem nach SAE-Level 2, der Fahrer bleibt jederzeit verantwortlich.
Was das System kann
MB.DRIVE ASSIST PRO arbeitet als sogenanntes Point-to-Point-System. Sobald in der Mercedes-Navigation ein Ziel eingegeben ist, lässt sich die Funktion per Taste am Lenkrad aktivieren. Das System wechselt dann selbstständig die Spur, ordnet sich in die richtige Fahrspur ein, biegt an Kreuzungen in der Stadt ab und bremst und fährt an Ampeln wieder an. Auch das Verlassen der Autobahn und die Weiterfahrt durch die Stadt soll das System übernehmen. Laut Notebookcheck nennt Mercedes als Beispiel einen Pendelweg mit mehr als 15 Ampeln.
Fahrer bleibt in der Verantwortung
Trotz des großen Funktionsumfangs ist MB.DRIVE ASSIST PRO kein autonomes Fahrsystem. Der Fahrer muss den Verkehr ständig beobachten und jederzeit eingreifen können. Mercedes setzt dabei auf ein „Hands-on“-Lenkkonzept: Die Hände bleiben am Lenkrad, und der Fahrer kann lenken, ohne das System vorher abschalten zu müssen. Rechtliche Grundlage ist die UN-Regelung R171 für Fahrassistenzsysteme (DCAS). Nach Angaben von Mercedes könnte dieser harmonisierte Rechtsrahmen später auch eine Einführung in weiteren EU-Ländern ohne zusätzliche Genehmigung ermöglichen. Termine für andere Länder gibt es aber noch nicht.
Die Regelung R171 wurde von der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) erarbeitet und legt fest, unter welchen Bedingungen Assistenzsysteme dauerhaft Lenk-, Brems- und Beschleunigungsaufgaben übernehmen dürfen. Dazu gehört unter anderem eine Überwachung, ob der Fahrer aufmerksam bleibt. Für die Hersteller schafft sie einen einheitlichen Rahmen, der nicht in jedem Land einzeln geregelt werden muss.
Die Technik
Für die Umgebungserfassung nutzt das System 27 Sensoren: 10 Kameras, 5 Radarsensoren und 12 Ultraschallsensoren. Ein Lidar wird nicht genannt. Die Daten verarbeitet ein Rechner mit einer Leistung von bis zu 254 TOPS (Billionen Rechenoperationen pro Sekunde). Software-Basis ist das Betriebssystem MB.OS von Mercedes, kombiniert mit der Rechen- und Sensorarchitektur Hyperion sowie Software von NVIDIA, darunter das Sicherheitssystem Halos und der Software-Stack Alpamayo. Die Freischaltung erfolgt per Update über das Internet. Auch bereits ausgelieferte Fahrzeuge können die Funktion laut teltarif erhalten, sofern sie über die nötige Hardware verfügen.
Modelle und Preis noch offen
Welche Modelle das System zum Start unterstützen, hat Mercedes noch nicht mitgeteilt. Geplant ist eine schrittweise Einführung im Pkw- und Van-Angebot. Auch einen Preis nannte der Hersteller noch nicht. Nach dem offiziellen Marktstart sollen Kunden das System einen Monat lang kostenlos testen können. In China bietet Mercedes das System bereits an, für die USA ist es angekündigt. Deutschland ist nun der nächste Markt.
Wettbewerb um das assistierte Fahren
Mit dem Start in Deutschland verschärft sich der Wettbewerb um Assistenzsysteme für den Stadtverkehr. Auch Tesla bemüht sich um eine EU-weite Zulassung seines Systems, das in Europa inzwischen „Tesla Assisted Driving“ heißt. Eine Abstimmung der Mitgliedstaaten wird dort frühestens im Dezember 2026 erwartet. Mercedes bietet zudem mit dem Drive Pilot bereits ein System nach Level 3 an, das auf bestimmten Autobahnabschnitten unter festgelegten Bedingungen die Verantwortung übernimmt. Das neue System deckt dagegen deutlich mehr Fahrsituationen ab, verlangt vom Fahrer aber ständige Aufmerksamkeit.
Einordnung
Mit MB.DRIVE ASSIST PRO macht Mercedes einen großen Schritt in Richtung Alltagsautomatisierung. Die Unterstützung in der Stadt mit Ampeln und Kreuzungen geht deutlich über klassische Autobahnassistenten hinaus. Wie zuverlässig das System im deutschen Stadtverkehr arbeitet, muss sich in der Praxis zeigen. Offene Fragen sind zudem der Preis und die Modelle, für die das System zur Verfügung steht.
Bedeutung fürs Leasing
Für Leasingkunden kann das neue System ein interessantes Ausstattungsmerkmal werden, vor allem für Pendler mit viel Stadtverkehr. Da die Funktion per Update freigeschaltet wird, lohnt sich bei der Wahl eines Neuwagens ein Blick darauf, ob die nötige Hardware an Bord ist. Wer Mercedes-Benz Angebote prüft, sollte zudem klären, ob das System als Abo angeboten wird und wie es sich bei Leasingrückgabe verhält. Auch bei anderen Leasing Angeboten lohnt der Vergleich der verfügbaren Assistenzsysteme.
Quelle: heise online





