Der MG4 markiert den Punkt, an dem MG in Europa vom Nischenanbieter zum ernst genommenen Wettbewerber der Kompaktklasse wurde. Die Baureihe kam 2022 auf den Markt und war das erste Modell der Marke auf der eigens entwickelten Elektroarchitektur MSP. Anders als frühere Elektromodelle des Hauses, die auf Plattformen mit Verbrennerursprung aufsetzten, ist der MG4 von Grund auf als Batteriefahrzeug ausgelegt. Das zeigt sich an der flachen Bauweise des Energiespeichers, am Heckantrieb und an den Proportionen der Karosserie. Die Baureihe hat der Marke in Europa die nötige Aufmerksamkeit verschafft und dient seither als technische Vorlage für weitere Elektromodelle des Hauses.
Format und Auftritt
Der MG4 ist ein fünftüriger Schrägheckwagen im Format der klassischen Kompaktklasse und damit direkter Gegenspieler von Modellen wie dem VW ID.3 oder dem Renault Mégane E-Tech. Die Karosserie fällt vergleichsweise flach aus, was dem Auftritt eine sportlichere Note gibt als bei vielen hochbauenden Elektroautos. Auffällig sind der zweigeteilte Dachspoiler der stärkeren Versionen und die kantig gezeichnete Frontpartie. Im Innenraum dominiert ein freistehender Touchscreen, über den ein großer Teil der Funktionen läuft; ein separater Dreh-Drück-Regler für die Lautstärke ergänzt die Bedienung. Die Materialauswahl ist zweckmäßig und folgt der Preisposition der Marke. Die Ladeklappe sitzt hinten rechts, was in Parkhäusern mit Ladesäulen gelegentlich Rangieren erfordert. Verarbeitung und Materialien folgen der Preisposition, ohne dass die Bedienelemente billig wirken.
Elektrische Antriebsstufen
Der MG4 fährt ausschließlich elektrisch. Angeboten werden mehrere Batteriegrößen, die sich in Ladeleistung und Reichweite unterscheiden, dazu unterschiedlich starke Elektromotoren an der Hinterachse. Der Heckantrieb ist ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Preisklasse und sorgt für einen kleinen Wendekreis, weil die Vorderräder ohne Antriebswellen stärker einschlagen können. An der Spitze steht die Variante XPOWER mit einem zusätzlichen Motor an der Vorderachse und damit Allradantrieb; sie ist deutlich sportlicher abgestimmt und erhält eine kräftigere Bremsanlage. Die Rekuperation lässt sich in mehreren Stufen einstellen, ein Ein-Pedal-Modus ist vorhanden. Zwischen den Varianten unterscheiden sich vor allem vier Punkte:
- Größe der Antriebsbatterie und damit die mögliche Reichweite
- maximale Ladeleistung an Gleichstromsäulen
- Antrieb an der Hinterachse oder Allradantrieb in der Topversion
- Abstimmung von Fahrwerk und Bremsanlage
Raumangebot und Alltagstauglichkeit
Der flache Batterieaufbau erlaubt eine Sitzposition, die tiefer liegt als bei vielen Elektroautos ähnlicher Größe, ohne die Kopffreiheit im Fond zu stark einzuschränken. Der Radstand fällt lang aus, wovon die Beinfreiheit hinten profitiert. Der Kofferraum liegt im Rahmen der Klasse, die Ladekante ist etwas hoch, ein Frunk unter der Fronthaube fehlt. Ladekabel finden daher unter dem Kofferraumboden Platz. Für die Langstrecke sind die Varianten mit größerer Batterie und höherer Ladeleistung die passendere Wahl, während die Einstiegsversion eher auf Pendelstrecken zugeschnitten ist. Eine Wärmepumpe ist nicht in allen Ausführungen enthalten, was sich im Winterbetrieb bemerkbar macht. Serienmäßig sind Assistenzsysteme in großer Zahl an Bord, deren Eingriffe sich über ein Menü abschwächen lassen. Eine Anhängerkupplung ist je nach Version nachrüstbar, die zulässigen Werte fallen jedoch bescheiden aus.
Passende Fahrprofile
Als Kompaktwagen mit vier Türen und ausreichendem Kofferraum deckt der MG4 den Bereich ab, in dem viele Haushalte ihr Hauptfahrzeug ansiedeln. Pendelstrecken mit regelmäßiger Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz sind das naheliegende Einsatzfeld. Auch in Fuhrparks taucht die Baureihe auf, weil sich Dienstwagenregelungen für reine Elektrofahrzeuge günstig auswirken. Die Topversion mit Allradantrieb zielt dagegen auf ein Publikum, dem Fahrdynamik wichtiger ist als maximale Reichweite. Für Anhängerbetrieb ist der MG4 nur eingeschränkt vorgesehen, hier lohnt der Blick in die Zulassungsunterlagen der jeweiligen Version. Auch als Fahrzeug für Carsharing- und Abo-Anbieter taucht der MG4 auf, weil er einen niedrigen Anschaffungspreis mit alltagstauglicher Reichweite verbindet und sich ohne Einweisung bedienen lässt.
Leasing des MG4
Weil der MG4 in mehreren Batterie- und Ausstattungsstufen angeboten wird, unterscheiden sich scheinbar ähnliche Angebote im Detail erheblich. Der Leasingfaktor hilft, Raten unterschiedlicher Versionen auf eine gemeinsame Grundlage zu bringen, sagt aber nichts über die tatsächliche Ausstattung aus. Sinnvoll ist deshalb der Abgleich, welche Batteriegröße, welche Ladeleistung und welche Ausstattungslinie hinter einer Rate stehen. Die Laufleistung sollte zur realen Nutzung passen, da Elektrofahrzeuge häufig mit knapp kalkulierten Kilometerpaketen beworben werden. Ebenso relevant sind Lieferzeit und Verfügbarkeit: Lagerfahrzeuge sind oft günstiger konfiguriert, dafür kurzfristiger verfügbar als Bestellfahrzeuge. Zusätzlich unterscheiden sich Angebote darin, ob Wartung, Verschleiß oder ein Ladekabel für Wechselstrom enthalten sind, was bei Elektrofahrzeugen einen spürbaren Unterschied ausmacht.